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Persönliche Beiträge

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Was uns bewegt

Norderney, seine Zukunft und die Themen, die uns am Herzen liegen:

Hier beziehen Mitglieder der FWN persönlich Stellung und laden zum Austausch ein.

Jeder Beitrag ist mit dem Namen des Autors gekennzeichnet und gibt dessen eigene Meinung wieder. Diese muss nicht der Position der FWN oder der Koalition entsprechen.

Oder das was wir von außen zu hören bekommen.

  • „Die Norderneyer leben doch alle vom Tourismus.“
  • „Die Insulaner haben ihre Häuser teuer verkauft – und beschweren sich jetzt über die Preise.“
  • „Ohne Urlauber wäre auf der Insel nichts los.“
  • „Die Norderneyer können sich ihre eigene Insel nicht mehr leisten.“
Solche pauschalen Sätze machen es leicht, eine Meinung zu haben. Der Wirklichkeit werden sie kaum gerecht. Denn hinter dem Begriff „die Norderneyer“ stehen Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensbedingungen.
Eine Familie mit einem eigenen Haus und Ferienwohnungen erlebt unsere Insel anders als eine Familie, die von zwei Gehältern lebt und eine bezahlbare Mietwohnung sucht. Ein Hotelbetreiber schaut anders auf die Saison als eine Pflegekraft. Und wer seinen Ruhestand im abbezahlten Eigenheim verbringt, hat andere Sorgen als jemand, der nach der Ausbildung auf die Insel zurückkehren möchte.
Alle gehören zu Norderney. Aber längst nicht alle haben dieselben Möglichkeiten.
Dabei sollte auch Zugehörigkeit keine Frage des Stammbaums sein. Wer seit Generationen hier verwurzelt ist, gehört ebenso zu unserer Inselgemeinschaft wie Menschen, die hergezogen sind, hier arbeiten, Kinder großziehen, Nachbarn helfen und sich im Verein engagieren. Eine lebendige Insel braucht beides: gewachsene Verbundenheit und Menschen, die hier eine neue Heimat finden.
Der Tourismus hat Norderney geprägt und vielen Menschen eine wirtschaftliche Existenz ermöglicht. Familien haben über Jahrzehnte Zimmer vermietet, Pensionen geführt, Restaurants aufgebaut und Betriebe weitergegeben. Dahinter stehen Arbeit, Verantwortung und häufig erhebliche persönliche Risiken.
Es wäre unfair, diese Leistung kleinzureden. Ebenso unfair ist aber die Behauptung, damit seien automatisch alle Insulaner wohlhabend geworden.  
 
Wer im Service arbeitet, Wohnungen reinigt, Waren ausliefert oder Menschen pflegt, besitzt deshalb noch lange keine Immobilie. Ein gut gebuchter Sommer beantwortet nicht automatisch die Frage, wie sich mit einem normalen Einkommen das Leben auf der Insel finanzieren lässt.
 
Beim Wohnen wird dieser Unterschied besonders deutlich. Die Wohnungsgesellschaft Norderney beschreibt selbst, dass Wohnraum knapp und teuer ist, junge Familien teilweise jahrelang auf eine passende Wohnung warten und im ungünstigsten Fall deshalb die Insel verlassen müssen. Das Problem ist also keineswegs nur eine zugespitzte Wahrnehmung in sozialen Medien.
Für einen Eigentümer kann ein hoher Immobilienwert Sicherheit bedeuten. Für jemanden ohne Eigentum kann dasselbe Preisniveau bedeuten, dass die eigene Zukunft auf Norderney unsicher bleibt.
 
Und selbst Eigentümer sind keine einheitliche Gruppe. Wer im eigenen Haus lebt und einzelne Ferienwohnungen vermietet, hat andere Interessen als jemand, der eine Immobilie ausschließlich als Kapitalanlage betrachtet. Auch darüber sollten wir differenziert sprechen, statt ganze Gruppen verantwortlich zu machen.
Genauso wenig ist jeder, der die touristische Entwicklung kritisch sieht, gegen unsere Gäste.
Man kann gern Gastgeber sein und sich trotzdem fragen, wie viel Belastung die Insel verträgt. Man kann vom Tourismus leben und zugleich bezahlbaren Dauerwohnraum fordern. Man kann sich über eine erfolgreiche Saison freuen und wünschen, dass bei Entscheidungen der Alltag der Einwohner stärker zählt.
 
Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus darf kein Argument sein, jede Kritik an seiner Entwicklung abzuwürgen.
Was haben zusätzliche Übernachtungen gebracht, wenn Beschäftigte keine Wohnung finden? Wie sichern wir das Vereinsleben und das Ehrenamt, wenn Menschen hier auf Dauer keine Perspektive sehen? Und woran messen wir Erfolg: ausschließlich an Auslastung und Umsatz – oder auch daran, ob junge Familien bleiben und ältere Menschen gut versorgt werden können?
Norderney hat diese Zusammenhänge längst selbst benannt. Das 2020 beschlossene Lebensraumkonzept stellt die Lebensqualität und die Bedürfnisse der Insulaner in den Mittelpunkt und verbindet Themen wie Wohnen, Verkehr, Tourismus und Infrastruktur.
Daran müssen sich politische Entscheidungen auch im Alltag messen lassen.
Bezahlbarer Dauerwohnraum, verlässliche Versorgung, funktionierende Wege und Platz für das gesellschaftliche Leben gehören deshalb ins Zentrum der Inselpolitik. Ebenso brauchen örtliche Betriebe und Vermieter nachvollziehbare Entscheidungen und verlässliche Perspektiven.
 
Dabei muss offen diskutiert werden dürfen, wer von einer Entwicklung profitiert, wer ihre Belastungen trägt und wo Grenzen notwendig sind. Wer solche Fragen stellt, redet Norderney nicht schlecht. Er nimmt die Zukunft der Insel ernst.
Es gibt nicht die eine Meinung der Norderneyer. Es gibt unterschiedliche Interessen, Erfahrungen und Sorgen. Diese Unterschiede verschwinden auch dann nicht, wenn man auf die Bedeutung des Tourismus verweist.
 
Unsere Gäste sind willkommen. Und die Menschen, die Norderney jeden Tag am Laufen halten, müssen hier auch künftig wohnen und leben können.
Eine Insel lebt von ihren Gästen – und von einer Gemeinschaft, die bleibt.
Meinung endet nicht mit der Wahl.
Darf gerne geteilt werden

Torsten Barteldrees