1. Unsere Süßwasserlinse – aktuell sicher, trotzdem langfristig denken

In den vergangenen Tagen haben unterschiedliche und teilweise falsche Informationen viele Bürger verunsichert, 

wie es tatsächlich um unsere Süßwasserlinse bestellt ist.


Deshalb haben wir uns intensiver mit dem Thema beschäftigt.

Die wichtige Nachricht vorweg: Aktuell besteht laut Stadtwerken kein Anlass zur Sorge um die Trinkwasserversorgung auf Norderney. Unsere Süßwasserlinse wird seit Jahrzehnten überwacht.

Das darf aber nicht bedeuten, dass wir das Thema für die Zukunft abhaken.

Unser Trinkwasser stammt vollständig aus der natürlichen Süßwasserlinse unter der Insel. Sie entsteht durch Niederschlag, der im sandigen Untergrund versickert. Jährlich werden rund 900.000 Kubikmeter Wasser, also etwa 900 Millionen Liter, gefördert.

Gerade weil Norderney über diese besondere eigene Wasserversorgung verfügt, sollten wir frühzeitig überlegen, wie wir sie auch für die kommenden Jahrzehnte schützen und entlasten können.

Dabei geht es nicht um eine kurzfristige Maßnahme.

Es geht um eine Strategie für die nächsten 10, 20 oder 30 Jahre.

Denn Wasservorsorge beginnt nicht erst dann, wenn Wasser tatsächlich knapp wird.

Sie beginnt heute.


2. Regenwasser nutzen – aber nicht jeden Regentropfen auffangen

Für Norderney wäre es falsch, möglichst viel Regenwasser einfach einzusammeln.

Wo Regen auf Dünen, Grünflächen und anderen geeigneten natürlichen Bereichen versickern kann, ist genau das wichtig. Dieses Wasser trägt zur Neubildung unserer Süßwasserlinse bei.

Interessant ist deshalb vor allem das Regenwasser, das auf:

  • großen Dachflächen,
  • öffentlichen Gebäuden,
  • Parkplätzen,
  • Schulhöfen,
  • Sportanlagen
  • und anderen versiegelten Flächen

anfällt und anschließend abgeleitet wird.

Hier könnten wir künftig stärker unterscheiden:

Versickern, wo es sinnvoll ist.

Speichern, wo es möglich ist.

Nutzen, wo wir Wasser benötigen.

Gerade große Dachflächen bieten dabei enormes Potenzial.

Die Rechnung ist einfach:

1 Millimeter Regen auf 1 Quadratmeter Fläche entspricht etwa 1 Liter Wasser.

Ein Dach mit 1.000 Quadratmetern liefert bei nur 10 Millimetern Regen theoretisch bereits rund:

10.000 Liter Wasser.

Bei 20 Millimetern Niederschlag wären es bereits:

20.000 Liter.

Natürlich kann nicht jede dieser Mengen vollständig gespeichert werden. Filterung, Speichergröße, Überläufe und technische Verluste müssen berücksichtigt werden.

Aber die Größenordnung zeigt deutlich, welches Potenzial vorhanden ist.


4. Schwamminsel Norderney – Wasser speichern und Starkregen abpuffern

Regenwasserspeicherung hat noch einen zweiten wichtigen Vorteil.

Wenn bei Starkregen innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen fallen, müssen diese nicht sofort vollständig über Kanalisation und Entwässerungssysteme abgeführt werden.


Ein Teil des Wassers kann zunächst zurückgehalten werden.

Anschließend kann es:

  • genutzt,
  • langsam abgegeben
  • oder gezielt versickert werden.

Viele Städte sprechen inzwischen von der Schwammstadt.

Die Idee dahinter:

Eine Stadt soll Regenwasser nicht möglichst schnell loswerden.

Sie soll Wasser aufnehmen, zwischenspeichern, versickern lassen und später wieder nutzen.

Für Norderney könnte daraus ein eigenes Modell entstehen:

die Schwamminsel.

Dabei würden vier Bereiche miteinander verbunden:

Natürliche Versickerung erhalten.

Regenwasser speichern.

Regenwasser sinnvoll nutzen.

Starkregen abpuffern.

Gerade auf einer Insel mit eigener Süßwasserlinse wäre eine solche speziell angepasste Strategie besonders interessant.

Wichtig ist allerdings auch hier:

Straßenwasser ist nicht mit sauberem Dachwasser gleichzusetzen.

Regenwasser von Straßen und stark befahrenen Flächen kann Reifenabrieb, Ölreste und andere Verunreinigungen enthalten. Eine Nutzung wäre deshalb nur nach entsprechender Reinigung und technischer Prüfung sinnvoll.

Dachwasser ist dagegen in vielen Fällen wesentlich einfacher nutzbar.



3. Unterirdische Speicher – wenig Platzverbrauch, großer Nutzen

Gerade auf Norderney ist Fläche kostbar.

Deshalb sind Lösungen besonders interessant, die keinen zusätzlichen oberirdischen Platz benötigen.


Unter:

  • Parkplätzen,
  • Schulhöfen,
  • Sportanlagen,
  • öffentlichen Plätzen,
  • Grünflächen
  • oder anderen ohnehin zu sanierenden Bereichen

könnten zukünftig unterirdische Regenwasserspeicher geprüft werden.

Oberirdisch bleibt die Fläche weiterhin vollständig nutzbar.

Das gespeicherte Wasser könnte beispielsweise verwendet werden für:

  • Bewässerung von Straßenbäumen,
  • Beete und Grünanlagen,
  • Sportflächen,
  • Reinigungsarbeiten,
  • Straßenreinigung,
  • Toilettenspülungen
  • oder die Befüllung städtischer Bewässerungsfahrzeuge.

Gerade hier stellt sich eine einfache Frage:

Warum hochwertiges Trinkwasser einsetzen, wenn für bestimmte Aufgaben Regenwasser vollkommen ausreicht?

Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, unsere Trinkwasserversorgung zu ersetzen.

Es geht darum, Trinkwasser dort einzusparen, wo Trinkwasserqualität gar nicht erforderlich ist.

Andere Städte zeigen bereits, dass solche Systeme funktionieren.

Berlin nutzt beispielsweise Zisternen zur Bewässerung und Toilettenspülung. Hamburg setzt verstärkt auf das sogenannte Schwammstadtprinzip. Rotterdam nutzt sogar öffentliche Plätze zeitweise als Regenwasserspeicher.

Norderney muss diese Systeme nicht kopieren.

Wir sollten aber prüfen, welche Ansätze sich sinnvoll auf unsere Insel übertragen lassen.


5. Heute anfangen – über Jahrzehnte entwickeln



Wir müssen Norderney nicht innerhalb weniger Jahre vollständig umbauen.

Das wäre weder realistisch noch wirtschaftlich.

Der entscheidende Gedanke ist vielmehr:

Bei jeder zukünftigen Baumaßnahme sollte Regenwasser automatisch mitgedacht werden.

Wenn in den kommenden Jahren:

  • eine Straße saniert,
  • ein Parkplatz erneuert,
  • ein Schulhof umgebaut,
  • eine Sportanlage modernisiert,
  • ein Platz neugestaltet
  • oder ein öffentliches Gebäude neu gebaut oder saniert wird,

sollte künftig grundsätzlich geprüft werden:

Können wir hier Regenwasser speichern, nutzen oder besser versickern lassen?

Denn wenn Tiefbau, Leitungsarbeiten und Planung ohnehin erforderlich sind, lassen sich solche Maßnahmen oftmals wesentlich sinnvoller integrieren als bei einer späteren Nachrüstung.

Der erste Schritt könnte deshalb eine Regenwasser-Potenzialanalyse für Norderney sein.

Erfasst werden sollten unter anderem:

  • große öffentliche Dachflächen,
  • versiegelte Flächen,
  • vorhandene Regenwasserleitungen,
  • mögliche Speicherstandorte,
  • geeignete Versickerungsflächen,
  • Bewässerungsbedarf,
  • Starkregen-Schwerpunkte
  • und ohnehin geplante Baumaßnahmen.

Danach könnten einige überschaubare Pilotprojekte umgesetzt werden.

Zum Beispiel:

eine Zisterne an einem öffentlichen Gebäude,

ein Speicher für Grünflächenbewässerung,

eine Regenwassernutzung bei einer Sportanlage

oder ein unterirdischer Speicher im Rahmen einer ohnehin geplanten Sanierung.

Dann kann gemessen werden:

Was kostet die Anlage?

Wie viel Regenwasser kann tatsächlich genutzt werden?

Wie viel Trinkwasser wird dadurch eingespart?

Wie hoch sind Wartungs- und Betriebskosten?

Und welchen zusätzlichen Nutzen gibt es bei Starkregen?

So könnte über viele Jahre Schritt für Schritt eine neue Wasserstrategie für Norderney entstehen.

Nicht hektisch.

Nicht mit einem einzigen riesigen Projekt.

Sondern vorausschauend und bei jeder Gelegenheit ein Stück weiter.

Unser Fazit

Norderney hat heute eine sichere Trinkwasserversorgung.

Das ist beruhigend.

Aber wer erst über Wasservorsorge nachdenkt, wenn Wasser tatsächlich knapp wird, ist zu spät.

Deshalb sollten wir jetzt beginnen, die Möglichkeiten zu untersuchen.

Regen versickern lassen, wo er unserer Süßwasserlinse hilft.

Regenwasser speichern, wo es sonst einfach abgeleitet wird.

Und Regenwasser nutzen, wo keine Trinkwasserqualität benötigt wird.

Heute planen. Schritt für Schritt umsetzen. Für die kommenden Jahrzehnte vorsorgen.